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Der Paritätische Gesamtverband - Bundeskoordination Jugendsozialarbeit

Monatsreport 09-19

 
Jugendsozialarbeit im Paritätischen
 

Aktuelles

Ausbildung für alle jungen Menschen ermöglichen

Jedes Jahr macht der Berufsbildungsbericht deutlich, wie viele junge Menschen nach wie vor ohne Ausbildung und damit ohne nachweislichen Abschluss bleiben. Ausbildung und berufliche Qualifizierung sind wichtige Voraussetzungen auf dem Weg in ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben junger Menschen. Eine berufliche Ausbildung erhöht folglich nicht nur die Chance auf finanzielle Unabhängigkeit durch stabile Einmündung in den Arbeitsmarkt, sondern steht vielfach auch für eine gelingende Jugendphase. Vor diesem Hintergrund kommt dem Anspruch auf Berufsausbildung für alle jungen Menschen eine besondere Bedeutung zu. Der Paritätische hat daher Ansätze und Überlegungen entwickelt, wie diesem Anspruch zukünftig stärker Rechnung getragen werden kann. 
 
Danach sollten vorrangig alle Möglichkeiten im Regelsystem der beruflichen Ausbildung genutzt und gestärkt und die Unterstützungssysteme ausgebaut werden. Dennoch werden zusätzliche, strukturell unterstützte Ausbildungsplätze durch Unternehmen und Bundesländer, aber auch mehr öffentlich geförderte Ausbildungen für Jugendliche mit erhöhtem Unterstützungsbedarf durch die Arbeitsförderung benötigt. Für Jugendliche, deren Unterstützungsbedarf mit Blick auf die Persönlichkeitsentwicklung groß ist, soll eine umfassende Ausbildungsförderung über die Jugendhilfe nach § 13 Abs. 2 SGB VIII erfolgen. Um diese entsprechend absichern zu können, soll die rechtliche Ermöglichung von Ausbildung im SGB VIII § 13 Abs. 2 entsprechend gestärkt werden.
Stellungnahme

Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung

Auch in diesem Jahr hat die Bertelsmann Stiftung einen Ländermonitor vorgelegt. Darin legt sie einen Schwerpunkt auf die zentrale Rolle der Länder in der Berufsausbildung. Erfreulich ist, dass die vollzeitschulische Berufsausbildung auch hier mehr und mehr in den Blick der (Fach-)Öffentlichkeit gerät.

Die vollzeitschulischen Berufsausbildungen machen inzwischen mehr als 20 Prozent der vollqualifizierenden Berufsausbildungen aus. In den meisten Bundesländern gibt es hier jedoch eine nahezu ausschließliche Ausrichtung auf die Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufe (GES). Ausbildungen nach BBiG bzw. HwO spielen im Schulberufssystem mittlerweile eine untergeordnete Rolle.
  • Die Chancen von Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss (HSA) werden schlechter.
Laut Monitor haben 2017 bundesweit nur noch 47 Prozent der Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss eine vollqualifizierende Ausbildung aufgenommen, nur zehn Jahre zuvor waren es noch 52 Prozent. Die Tendenz, dass immer weniger Jugendlichen mit HSA oder ohne Schulabschluss eine Einmündung in die dualen und schulischen Ausbildungsberufe gelingt, hält also an. In den Bundesländern zeigt sich das sehr unterschiedlich: in Bremen sind nur 37 Prozent der Jugendlichen erfolgreich beim Einstieg in eine Ausbildung, in Bayern sind es hingegen 69 Prozent. Die besten Chancen der Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss für die Einmündung in eine duale Ausbildung bestehen in Hamburg (55 Prozent) gefolgt von Bayern (51 Prozent), die schlechtesten Chancen haben Schulabgänger*innen in Baden-Württemberg (28 Prozent).
  • Nach wie vor haben Jugendliche mit ausländischer Staatsbürgerschaft nicht die gleichen Chancen bei der Einmündung in Ausbildung.
Zwar zeigt sich in den Jahren 2007 bis 2017 eine leichte Verbesserung, dennoch landen ausländische Jugendliche doppelt so häufig im sogenannten „Übergangssektor“ wie deutsche Jugendliche. Nur 44 Prozent von ihnen konnten direkt eine Ausbildung aufnehmen, gegenüber 77 Prozent der deutschen Jugendlichen.
Auch hier sind die regionalen Disparitäten groß. So sind die geringsten Differenzen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen bei der Einmündung in eine duale Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern (bei einem sehr geringen Ausländeranteil) und in Hamburg (bei einem großen Ausländeranteil) zu beobachten.
  • Vielfältige Ursachen für die Passungsprobleme im dualen System.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Ausbildungsanfänger*innen im dualen System der Berufsausbildung wieder gestiegen. Trotz dieser positiven Entwicklung finden Betriebe und Jugendliche immer häufiger nicht zueinander. Im Jahr 2009 konnten 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. 93.000 Bewerber*innen gingen bei der Ausbildungsplatzsuche leer aus. Fast 10 Jahre später – 2018 – suchten noch 79.000 Jugendliche erfolglos eine Lehrstelle, obwohl sich die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze mit 58.000 mehr als verdreifacht hat. Für knapp die Hälfte (44 Prozent) der unbesetzten Stellen gibt es zwar interessierte Jugendliche, es kommt aber trotzdem nicht zum Abschluss von Ausbildungsverträgen, weil der Betrieb die Bewerber*innen nicht für geeignet hält oder die Jugendlichen den Betrieb nicht für attraktiv halten. Besonders problematisch zeigt sich diese Situation für Branchen wie das Lebensmittelhandwerk oder das Hotel- und Gastronomiegewerbe. Rund jede vierte der unbesetzten Stellen ist deshalb unbesetzt, da Ausbildungsbetriebe und Bewerber*innen in unterschiedlichen Regionen liegen. Dies trifft in besonderem Maße Bayern und Sachsen.
  • Öffentlich finanzierte Berufsausbildung als Lösung der Passungsprobleme?
Die Stiftung schlägt vor, Maßnahmen des Übergangssystems in Richtung öffentlich finanzierter, an den Fachkräftebedarfen in der Region orientierten Ausbildungsalternativen weiterzuentwickeln. Im Sinne einer Ausbildungsgarantie sollen diese Ausbildungsplätze dann vorgehalten werden, wenn Bewerber*innen leer ausgehen. Dabei helfe ein Übergang in reguläre betriebliche Ausbildung nach dem ersten Jahr sowohl den Jugendlichen als auch den Betrieben, die auf diese Weise bereits vorqualifizierte Jugendliche in die Ausbildung integrieren können.
 
Leider nimmt die Bertelsmann Stiftung hier wieder nur die duale Ausbildung in den Blick und schlägt für das 1. Ausbildungsjahr eine neue Aufteilung zwischen Theorie und Praxis – bestehend aus 3 Tagen Praktikum und 2 Tagen Schule – vor. Die Erfahrungen in Hamburg mit dem Programm Berufsqualifizierung (BQ) haben jedoch gezeigt, dass damit häufig doch eine Ausbildungsverlängerung einhergeht und es sich dann wieder um eine Berufsvorbereitung ohne Anrechnung auf die Ausbildungszeit* handelt. Zudem muss bei der Frage der öffentlich finanzierten Ausbildungen im Kontext einer Ausbildungsgarantie die Beschränkung auf die duale Berufsausbildung aufgegeben werden. Der Fachkräftemangel ist doch längst bei den GES-Berufen angekommen und benötigt auch hier eine Erweiterung der Angebote. Nur so kann man den Berufswünschen der Jugendlichen entsprechen und dabei auch stärker auf eine Egalität der Geschlechter hinwirken sowie dem Fachkräftemangel entgegenwirken.
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*Nur 63% der in eine duale Ausbildung über gegangenen Auszubildenden werden die erbrachten Ausbildungsleistungen angerechnet. (von 58% der BQ-Schüler*innen)
 
Ländermonitor berufliche Bildung 2019

Neues aus dem Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

Fachveranstaltung zum Thema „In gemeinsamer Verantwortung – Jobcenter und Jugendhilfe fördern zusammen schwer erreichbare Jugendliche“ fand in Bielefeld statt – ein erster Ergebnisbericht

Am 18. September 2019 fand in Bielefeld die Fachveranstaltung zum Thema „In gemeinsamer Verantwortung – Jobcenter und Jugendhilfe fördern zusammen schwer erreichbare Jugendliche“ statt. Mehr als 100 Gäste tauschten ihre Erfahrungen aus und hatten Gelegenheit, über aktuelle Erkenntnisse zu den Lebenswelten der Jugendlichen, den Herausforderungen – Straßenjugendliche über Projektförderung zu erreichen – und zur Umsetzung des noch neuen Paragraphen 16h im Sozialgesetzbuch II aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit informiert zu werden. Besonders war aber, dass auch Jugendliche zu Wort kamen. Das Bielefelder Projekt BEAT4OWL kam mit Jugendlichen, die über ihre Motivation der Arbeit im Projekt berichteten, einen selbst erarbeiteten Rap darboten und die anwesenden, oft älteren Fachtagungsteilnehmer*innen in die Kunst des Rappens einwiesen. Dabei konnten alle lernen, dass einen Rap zu singen oder rhythmisch zu sprechen, mitnichten so einfach ist, wie es in der lässigen Vortragsart der Jugendlichen aussieht. Hochachtung!

Veranstaltungen

Wer wird was? Warum?
Für eine klischee- und diskriminierungsfreie Berufsorientierung

Der Paritätische Gesamtverband möchte im Rahmen einer kleinen Runde von ausgewählten Expert*innen am 26. November 2019 in Berlin diskutierten, wie inklusiv die Berufsorientierung gestaltet ist. Wir möchten den Raum öffnen, um uns gemeinsam darüber auszutauschen, ob die Bedarfe junger Migrant*innen, junger Menschen, die von Behinderung betroffen oder bedroht sind sowie queerer Jugendlicher in den derzeitigen Unterstützungsstrukturen berücksichtigt werden und inwieweit Berufsorientierung individualisiert bzw. auf spezielle Gruppen und Bedarfe ausgerichtet sein muss. Ausgehend von der Frage, ob eine bedarfsgerechte Berufsorientierung Ausbildungs- und Studienabbrüche verhindern kann, möchten wir auch in den Blick nehmen, wie junge Menschen an Informationen über die zahlreichen Ausbildungsberufe und Studiengänge kommen und wer ihre Berufswahl beeinflusst.
Neben guten Beispielen aus der Praxis möchten wir mit den für die Berufsorientierung relevanten Institutionen wie Schule und Agentur für Arbeit ins Gespräch kommen.

Mit dem Fachgespräch möchten wir Vertreter*innen aus Praxis, Verwaltung, Verbänden und Unternehmerschaft und Kolleg*innen aus der Jugendsozialarbeit für diesen Austausch zusammenbringen.

Bei Interesse und Anregungen zum Thema "klischee- und diskriminierungsfreie Berufsorientierung" melden Sie sich gerne bei Claudia Karstens, Referentin für Migrations- und Jugendsozialarbeit, mgs@paritaet.org oder 030 / 24 636 406.

EJSA Bayern kündigt Fachtagung „Moderner Antisemitismus“ an

Die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern plant am 17. Oktober 2019 eine Veranstaltung zum Thema "Moderner Antisemitismus".

"Du Jude!", scheint als Schimpfwort gerade bei Jugendlichen wieder hoch im Kurs zu stehen, auf dem Pausenhof, auf dem Sportplatz oder im Unterricht. Antisemitische Äußerungen und Beschimpfungen sind leider auch 2019 wieder im jugendlichen Sprachgebrauch präsent. Doch wie geht man angemessen und zielgruppenadäquat mit solchen Äußerungen um? Welche Möglichkeiten, Methoden und Ansätze gibt es, um sich mit Jugendlichen dem Phänomen Antisemitismus zu nähern?

Solche und weitere Fragen sollen im Rahmen des Fachtages " Moderner Antisemitismus – Herausforderung für die Jugendsozialarbeit " am 17.10.2019 in Nürnberg beantwortet werden. Hierbei werden nicht nur historische Kontinuitäten und moderne Ausprägungen von Antisemitismus genauer betrachtet, sondern auch pädagogische Ansätze und Methoden zum Umgang mit Antisemitismus in der Jugend(sozial)arbeit vorgestellt und ausprobiert. Der Fachtag richtet sich an Multiplikator*innen der politischen Bildung, Lehrer*innen sowie an Fachkräfte der Jugend- und Jugendsozialarbeit.

Das Programm und Informationen zur Anmeldung finden Sie hier
Ihr Team der Jugendsozialarbeit im Paritätischen

Berlin, 27. September 2019
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