Zwischenruf: Volle Kraft in Ausbildung junger Geflüchteter statt neuer Hürden bei der Ausbildungsduldung

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht in verschiedenen Medien und Studien auf den bestehenden Fachkräftemangel aufmerksam gemacht und damit beispielsweise die Pflege von Älteren, die Betreuung von Kindern, oder die Produktion von Industrie- und Konsumgütern angesichts der angespannten Lage infrage gestellt wird. Deutschland braucht jährlich 260.000 Zuwanderer – so titelte Anfang des Jahres 2019 eine Berliner Tageszeitung und verwies damit auf die Ergebnisse einer Studie der Hochschule Coburg, die im Auftrag der Bertelmann-Stiftung durchgeführt wurde und untersucht hat, wie viele Fachkräfte in Deutschland bis 2060 jährlich zuwandern müssten, um den bestehenden Bedarf decken zu können.

Nun könnte man angesichts dieser Zahlen erwarten, dass die bestehende Zuwanderung – ob nun durch Flucht oder Arbeitsmigration – für alle Seiten sinnvoll genutzt wird. Umso mehr verwundert es, wenn mit dem Gesetzentwurf über die Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung – ein herausgelöster Teil aus dem Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes – statt der Schaffung eines rechtssicheren Aufenthalts und einer Bleibeperspektive für (junge) Zugewanderte neue Fallstricke und Ausgrenzungsinstrumente geschaffen werden. Wird der Entwurf in dieser Form Gesetz, muss sogar befürchtet werden, dass es zu Abbrüchen bereits begonnener Ausbildungen kommen wird. Anstatt „volle Kraft in die Ausbildung“ soll der Vorrang der Abschiebung gelten.
Mit diesem Gesetzentwurf wird die Chance vertan, das inländische Potential zu heben und so einen Beitrag für die Sicherung der Fachkräftebasis in den Unternehmen und Betrieben in Deutschland zu leisten. Wer nicht begreift, dass zu dem inländischen Potential auch (junge) Geflüchtete und die rund 170.000 Gedulteten gehören, verschenkt eine wichtige Ressource. Es sind gerade auch die Geduldeten, die den Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt brauchen. Sowohl Statistiken als auch Erfahrungen aus der Beratungspraxis zeigen, dass sich viele der Betroffenen bereits seit Jahren in Deutschland aufhalten. Ihnen einen rechtssicheren Aufenthalt und eine Bleibeperspektive zu ermöglichen, kann angesichts des bestehenden Fachkräftebedarfs für alle Seiten nur von Vorteil sein.
Der Paritätische bereitet hierzu eine Stellungnahme vor, die Sie in den nächsten Tagen auf unserer Website finden.


Unsere nächste Veranstaltung

17.10.2019 09:00
Die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern plant am 17. Oktober 2019 eine Veranstaltung zum Thema "Moderner Antisemitismus". Du Jude!", scheint als Schimpfwort gerade bei Jugendlichen wieder hoch im Kurs zu stehen, auf dem Pausenhof, auf dem Sportplatz oder im Unterricht. Antisemitische Äußerungen und Beschimpfungen sind leider auch 2019 wieder im jugendlichen Sprachgebrauch präsent. Doch wie geht man angemessen und zielgruppenadäquat mit solchen Äußerungen um? Welche Möglichkeiten, Methoden und Ansätze gibt es, um sich mit Jugendlichen dem Phänomen Antisemitismus zu nähern?