Digitalisierung und die Jugendsozialarbeit

Die Nutzung digitaler Medien ist für junge Menschen längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Bereits 2014 verfügten 95 Prozent über ein Smartphone (2006 waren es lediglich 2 Prozent) mit dem sie interaktiv unterwegs sind.

Die hauptsächliche Nutzung dient mit 40 Prozent der Kommunikation über Chats, Mails und Messengerdiensten. An zweiter Stelle steht Unterhaltung mit Musik und Videos sowie die Suche nach Informationen.

Die virtuellen Welten der jungen Menschen sind jedoch vielfältig. Hierzu gehören (mindestens) auch: Kommunikation, Identitätsarbeit, Konsum, Unterhaltung, Internet der Dinge, Lernen/Bildung und Arbeitswelt. Demnach ist die digitale Nutzung weitreichend. Allerdings steht die Gestaltung und Nutzung dieser Bereiche nicht allen jungen Menschen gleichermaßen offen. So setzt die aktive Teilhabe Medienkompetenz voraus, um z.B. an Onlinediskussionen, Petitionen oder Flashmobs teilzunehmen. Die bisher eingesetzten Mittel zur ePartizipation sind für benachteiligte Jugendliche jedoch oft nicht geeignet.

Auch barrierefreie Internetseiten werden vielfach nicht in ausreichendem Maße angeboten, eine Verpflichtung hierzu gibt es nicht. Diese besteht lediglich für öffentliche Seiten. Allerdings sind diese Seiten für Jugendliche mit Handicaps meist uninteressant. Die Gestaltung eigener Seiten oder das Erstellen von Videos erfordert technisches Wissen, was regelhaft nur in wenigen Schulen vermittelt wird.

Für die späteren Berufschancen ist dies alles nicht ohne Folgen für die jungen Menschen. Während junge Menschen durch digitale Innovationen und neue Technologien erweiterte Möglichkeiten der Lebensgestaltung und Selbstwirksamkeit erlangen können, besteht die Gefahr, dass die bereits jetzt benachteiligten jungen Menschen von diesen Entwicklungen abgehängt, weiter marginalisiert werden.

Der 15. Kinder- und Jugendbericht spricht hier eine deutliche Sprache. Er konstatiert eine sich verfestigende "digitale Spaltung" der Gesellschaft. Auch "die" Bildungsinstanz Schule ist in dieser Frage nicht zukunftsfest aufgestellt. Sie ist oft weder personell noch didaktisch und erst recht nicht von der Infrastruktur her in der Lage, in angemessener Breite und Tiefe digitale Kenntnisse zu vermitteln.

Die Jugendsozialarbeit muss sich für die Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen entsprechend aufstellen. Dafür muss sie die Digitalisierung nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern die Jugendlichen hierbei kompetent begleiten und unterstützen. Das setzt voraus, dass die Jugendsozialarbeit Risiken und Chancen jeweils erkennt und an die eigenen Handlungsoptionen anpasst. Dies heißt: Grundkompetenzen erwerben, Fortbilden, Anpassungsschulungen realisieren, stets zu Modifikationen bereit und in der Lage sein. Auch die Ausstattungsfrage ist seitens der Jugendsozialarbeit zu klären. Und das nicht einmal, sondern als Daueraufgabe der kontinuierlichen Aktualisierung und Wartung von Software, Hardware und pädagogischen Konzepten und Werkzeugen. Vordringlich jedoch muss sich die Jugendsozialarbeit zu dem Komplex fachlich und politisch positionieren. Allein auf Medienkompetenz zu setzen ist für die Jugendsozialarbeit zu kurz gedacht. Auch ist es angeraten, sich nach "Verbündeten" umzusehen, da dies eine ressourcenzehrende und anspruchsvolle Aufgabe sein wird, die mit Sicherheit nicht nebenbei erledigt werden kann.


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