Der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung 2017

Ausgewählte Zahlen und Fakten aus dem im Schwerpunkt die duale Ausbildung betrachtenden Bericht.

Seit Anfang April 2017 liegt der Berufsbildungsbericht 2017 der Bundesregierung vor. Er umfasst 182 Seiten und einen dazugehörigen Datenreport des Bundesinstituts für Berufliche Bildung von gut 500 Seiten kommentierten Tabellen und Grafiken. Er enthält wenig Überraschendes, aber er bestätigt die sich verfestigenden Probleme am Ausbildungsmarkt – trotz regionaler Entspannung aufgrund von abnehmenden Schulabgängerzahlen.

Kurz und bündig:

Wenig Überraschungen, aber eine Verfestigung der Problemlage an der Schwelle zwischen Schule und Ausbildung!

  • Von den 547.728 Jugendlichen, die sich bei der Bundesagentur für Arbeit mit dem Wunsch, eine duale Ausbildung zu machen, gemeldet haben, waren nur knapp 58% (316.439) Neuschulabgänger/-innen, 42 % hatten schon im Vorjahr (96.713) oder Vorvorjahr oder in früheren Jahrgängen (134.576) die Schule verlassen.

Auch in diesem Jahr gilt: 230.000 junge Menschen mit Ausbildungswunsch warten schon länger als ein Jahr auf einen Ausbildungsplatz.

  • Unter den bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsbewerber /-innen waren in 2016 rund 41 % mit Realschulabschluss, 27 % mit Fachhochschulreife oder Hochschulreife, 26,5 % mit Hauptschulabschluss und 1,5 % ohne Schulabschluss (3,7% o.A.).

Einen Realschulabschluss bringen inzwischen zwei Drittel der bei der BA gemeldeten Ausbildungsbewerber/-innen mit.

  • Nur 45,3 % der Jugendlichen mit HSA schaffen den direkten Weg in die Berufsausbildung. In den meisten (auch dualen) Ausbildungen wird heute einen mittleren Schulabschluss oder gar eine HZB erwartet.

Der Einstieg in die betriebliche Ausbildung mit HSA wird immer schwieriger. Die betriebliche Ausbildung muss weiter attraktiv für Jugendliche mit HSA bleiben, dafür müssen wir werben.

  • Der Frauenanteil in den dualen Ausbildungsberufen ist mit gut 38 % historisch auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Der Frauenanteil in der schulischen Berufsausbildung ist mit z.B. 77,9 % in den Sozial-, Gesundheits-, Erziehungsberufen in 2016 traditionell hoch.

Es braucht neue Wege, wie junge Frauen stärker für duale Ausbildungsberufe und junge Männer stärker für schulische Ausbildungsberufe im Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsbereich zu gewinnen sind.

Die vollzeitschulischen Ausbildungen müssen in die Ausbildungsförderung und -begleitung einbezogen werden.

  • Der Ausländeranteil ist mit 6,5 % in den dualen Ausbildungsberufen wieder leicht angestiegen, aber noch lange nicht ausreichend.

Die Akzeptanz von Migrant/-innen als Auszubildende in Betrieben muss gestärkt werden.

  • Von den 547.728 bei der BA gemeldeten Bewerber/-innen mündeten 264.447 (48 %) in eine betriebliche Berufsausbildung ein, 169.329 entschieden sich für eine Alternative zur Berufsausbildung, 93.402 meldeten sich nicht mehr und 20.550 blieben unversorgt.

Trotz höherer formaler Bildungsabschlüsse (überwiegend mehr als HSA) konnten in 2016 weniger als 50 % der gemeldeten Bewerber/-innen von der BA in eine duale Ausbildung vermittelt werden.

  • 80.603 der gemeldeten Bewerber/-innen blieben bezogen auf einen gewünschten Ausbildungsplatz unversorgt: 60.053 sind zwar zunächst in einer Alternative eingemündet, hegen aber weiter ihren Ausbildungswunsch, 20.550 blieben ausgewiesen unversorgt. Das sind insgesamt 14,8 % aller gemeldeten Ausbildungsplatzsuchenden.

Trotz entspanntem Ausbildungsmarkt haben 174.005 gemeldete Bewerber/-innen keinen Ausbildungsplatz gefunden (zählt man die 93.402 Bewerber/-innen dazu, die sich nicht mehr bei der Berufsberatung gemeldet haben).

  • 298.781 Bewerber/-innen mündeten in den Übergangsbereich. Das sind 30.000 junge Menschen mehr als in 2015. Allerdings ist diese Zunahme höchst wahr-scheinlich der Förderung von jungen Geflüchteten im Übergangsbereich geschuldet. Eine große Zunahme von besetzten EQ-Plätzen (ca. + 3.500) und bei schulischen Berufsvorbereitungsangeboten sowie eine erhebliche Zunahme von Jugendlichen / jungen Erwachsenen mit ausländischer Staatsbürgerschaft im Übergangsbereich (ca. 30.0000) verweisen darauf.

Immer noch verweilen – neben den geförderten Geflüchteten – rund 270.000 junge Menschen in einem Förderungsbereich, der ihnen keinen beruflichen Abschluss ermöglicht.

  • Die Betriebe meldeten 2016 bei der Bundesagentur für Arbeit 546.300 betriebliche Ausbildungsstellen. 502.800 betriebliche Ausbildungsstellen konnten besetzt werden, das sind 500 weniger als in 2015. Die Zahl der unbesetzten betrieblichen Ausbildungsstellen hat weiter zugenommen. In 2016 waren es 43.500. Damit ist der Anteil an unbesetzten Ausbildungsstellen auf 8 % gestiegen (in 2015 waren es noch 7,6 % der angebotenen Ausbildungsstellen). Seit 2014 sind insgesamt 28.000 Ausbildungsplätze mehr gemeldet worden. Doch die Selbstverpflichtung der Spitzenverbände in der Wirtschaft, 20.000 zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze gegenüber 2014 bei der BA zu melden, hat vor allem zu statistischen Verschiebungen geführt. Es wurden zwar mehr Plätze gemeldet, unter dem Strich ist jedoch lediglich ein Aufwuchs von 5.100 angebotenen betrieblichen Plätzen gegenüber 2014 zu verzeichnen.

Das Meldeverhalten der Betriebe hat sich verbessert. Doch stagniert die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsplätze nahezu real und sinkt die Anzahl der besetzten Ausbildungsplätze kontinuierlich.

  • Die Zahl der unversorgten Bewerber/-innen liegt weit über der Zahl der unbesetz-ten Ausbildungsstellen.

Nach wie vor klafft eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an Ausbildungsstellen. Wir benötigen mehr betriebliche Ausbildungsplätze!

  • 1,95 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren sind ohne abgeschlossene Berufsausbildung geblieben, das sind 13,3% der Jahrgänge. Diese Quote ist gegenüber 2015 noch gestiegen.

Es braucht neben der Ausbildungsvermittlung der BA weitere Wege und Konzepte zur (Nach-)Vermittlung von beruflicher Qualifikation!


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