15. Kinder- und Jugendbericht

Die Sachverständigenkommission des 15. Kinder- und Jugendberichts hat im Vorfeld der aktuellen Berichterstattung 17 Expertisen zu diversen Themenfeldern in Auftrag gegeben. Diese sind nun als Materialien zum 15. Kinder- und Jugendbericht veröffentlicht und stehen auf der Webseite des Deutschen Jugendinstituts als Download zur Verfügung.

Beispielhaft hervorzuheben ist die Expertise von Albrecht Rohrmann und Hanna Weinbach: „Unterstützungsleistungen für Jugendliche mit Behinderungen und ihre Familien. Auswirkungen von Verfahren und Leistungen auf Teilhabechancen.“ Aufschlussreich lesen sich darin die gesellschaftspolitischen Entwicklungslinien des Umgangs mit Behinderung in Deutschland. Im Mittelpunkt steht die Beschreibung und kritische Analyse der Verfahren, die die Feststellung einer Behinderung begründen und den Zugang zu Leistungen der Teilhabe, der Pflege und der sonderpädagogischen Förderung ermöglichen. Kritisiert wird die Unterschiedlichkeit der Verfahren zur Begründung von Unterstützungsleistungen; dass sie defizitorientierte Zuschreibungen in den Mittelpunkt stellen, dass der Behinderungsbegriff, wie ihn die UN-BRK als Norm zugrunde legt, dabei weitgehend unberücksichtigt bleibt und nach wie vor ein medizinisches Modell von Behinderung angewendet werde. In den Verfahren zur Feststellung einer Behinderung werde die Abweichung von einem für das Lebensalter typischen Zustand feststellt und nicht die Beeinträchtigung der Teilhabe (S.64).

Die Zuschreibung einer Behinderung begründe, so die Autorin und der Autor, auf der einen Seite einen Anspruch auf Hilfe, auf der anderen Seite biete sie – allen Begriffsveränderungen zum Trotz – Anknüpfungspunkte für Stigmatisierungen, die zu Ausgrenzungen führen können (S.9). Mit diesem „Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma“ (S.21) werde die gleichberechtigte Teilhabe der behinderten Person mit der damit verbundenen Zuschreibung in Frage gestellt. Unterstützungsleistungen könnten auch als Barriere für eine gleichberechtigte Teilhabe wirken, wie sie u.a. in der Zuweisung in Förderschulen und separierende Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation deutlich zeige. Damit die Institutionen – etwa das Förderschulsystem, aber auch und zunehmend die allgemeinen Schulen – entsprechend weiterhin bzw. vermehrt Ressourcen akquirieren könnten, müsste bei immer mehr Kindern ein sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert werden (S. 36).

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