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Dokumentation der Tagung "Viel gefordert-falsch gefördert!?" - stattgefunden am 22.09.2009 in Berlin

Die Tagung des PARITÄTISCHEN für den Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit hat zur Diskussion gestellt, was die Arbeitsmarktpolitik für benachteiligte Jugendliche leistet.

Tagungsprogramm (1597 KB)

Begrüßung, Eröffnung, Werner Hesse, Geschäftsführer im PARITÄTISCHEN Gesamtverband:

In seiner Begrüßung stellte Werner Hesse einen aktuellen Bezug her: In der aktuellen Wirtschaftskrise ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit gestiegen; sie ist gegenüber dem Vorjahr um 18% auf jetzt rund 12% gestiegen.Unter dem Motto „Vorfahrt für junge Menschen“ hat die amtierende Bundesregierung in ihrer Arbeitsmarktpolitik einen deutlichen Schwerpunkt bei der Förderung junger Menschen gelegt. Ziel der letzten vier Jahre war es, die Ausbildungs- und Beschäftigungschancen von Jugendlichen zu verbessern und die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Prämisse der Arbeitsmarktpolitik war es vor, sich auf junge Menschen zu konzentrieren und gleichzeitig ein neues Paradigma – des Förderns und Forderns - durchzusetzen. Jugendliche zu fordern – dieses Ziel wurde vermutlich erreicht. Junge Menschen werden viel häufiger von den ARGEN und Optionskommunen als Ältere sanktioniert; im letzten Jahr traf jede dritte Sanktion einen Jugendlichen. Von den rund 250.000 Sanktionen wurden 100.000 Sanktionen ausgesprochen, die zur kompletten Streichung der Regelleistungen geführt haben. Doch wie reagieren junge Menschen auf Sanktionen?. Besinnen sich Jugendliche und nehmen z.B. doch gegen ihre Widerstände eine Arbeitsgelegenheit an? Oder entziehen sich junge Menschen den Anforderungen nach einer Integration in die Arbeitswelt und tauchen ab in Schwarzarbeit oder prekäre Lebens- und Wohnverhältnisse? Auf diese Antworten können Wissenschaft und Praxis der Arbeitsmarktpolitik unseres Erachtens noch viel zu wenig Antworten geben. Und auch zur Förderpraxis gibt es noch viel Diskussionsstoff. Bei der Tagung sollten v.a. diese Fragen diskutiert werden: Ist die Arbeitsmarktpolitik nach den Reformen der letzten Jahre heute besser gerüstet, um die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen? Profitieren benachteiligte Jugendliche von den Förderleistungen? Wurde das maßgebliche Ziel der Hartz-Reformen erreicht, junge Menschen dauerhaft aus der Hilfebedürftigkeit zu führen?

In seinem Einführungsreferat stellte Herr Dr. Hans Dietrich vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Ergebnisse zur Evaluation von Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen und Trainingsmaßnahmen vor.

Referat Dr. Hans Dietrich (285 KB)

Frau Petra Lippegaus-Grünau, bis vor kurzem Mitarbeiterin beim Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS) stellte wesentliche Ergebnisse der Expertise "Neue arbeitsmarktpolitische Instrumente für Jugendliche" vor.

Präsentation Petra Lippegaus (280 KB)

In der Arbeitsgruppe 1 wurde die Jugendberufsagentur Mainz vorgestellt, die als gemeinsame Anlaufstelle zur beruflichen Integration von Arbeitsagentur, Jugendamt und ARGE eingerichtet wurde.

Anbei die Präsentation von Heike Bennewitz, Geschäftsführer der plusquam Gesellschaft für Beratung und systemisches Qualitätsmanagement:

Präsentation Heiko Bennewitz (146 KB)

In der Diskussion hielten es viele Teilnehmer für sinnvoll, ein derartiges Modell auch in andere Regionen zu übertragen. Eine entsprechende politische Willensbildung der maßgeblichen Akteure und das Vorhandensein geeigneter Räume seien wichtige Voraussetzungen, gesetzliche Änderungen hingegen nicht nötig, so Herr Bennewitz. Auch eine getrennte Aufgabenwahrnehmung nach dem SGB II, die möglicherweise das Ergebnis der Neuorganisation der Verwaltungsstrukturen nach dem SGB II sein könnte, stelle kein grundsätzliches Hindernis dar. Eine stärkere Rolle der Jugendhilfe auf dem Gebiet der Jugendsozialarbeit sei hingegen notwendig. Im Verlauf der Diskussion wurden insbesondere die Möglichkeiten des Transfers einer solchen Anlaufstelle im ländlichen Raum diskutiert, wo ggf. mehrere Agenturen und Grundsicherungsstellen einzubeziehen wären und Jugendliche weite Wege zurücklegen müssen. Weitere Diskussionspunkte waren die Einbeziehung weiterer Partner wie z.B. der Schuldnerberatung und anderer Angebote freier Träger und die Notwendigkeit, gegenüber den Jugendlichen jeweils noch deutlich machen zu können, welcher Institution sie in der Anlaufstelle konkret gegenüberstehen.

In der AG 2 diskutierten Günter Buck und Gisela Würfel, Referenten bei der BAG EJSA und David Meis von der Produktionsschule Moritzburg gGmbH über die Notwendigkeit und Möglichkeit, die Hilfen gem. § 13 SGB VIII zu stärken.

Präsentationen:

Präsentation Günter Buck (47 KB)

Präsentation David Meis (63 KB)  

Präsentation Gisela Würfel (292 KB)

Zusammenfassung:

Dokumentation Arbeitsgruppe 2 (108 KB)

In der AG 3 ging es um die Kooperation von Wirtschaft und Jugendberufshilfe am Beispiel der kooperativen außerbetrieblichen Ausbildung. Walter Würfel, Abteilungsleiter beim Internationalen Bund und Rüdiger Albert, Sozialberater beim Bildungszentrum des IB in Heidelberg gestalteten diese Arbeitsgruppe.

Präsentation:

Präsentation Rüdiger Albert (625 KB)

Zusammenfassung:

Notizen Arbeitsgruppe 3 (5 KB)

In der AG 4 wurde am Beispiel der Arbeit des Don-Bosco-Zentrums Marzahn-Hellersdorf diskutiert, wie niedrig schwellige Ansätze der Jugendsozialarbeit ausgestaltet sein müssen. Referentin war Schwester Margareta Kühn, Geschäftsführerin der Manage gGmbH. Die Moderation übernahm Reiner Mathes, Bundeskoordinator Jugendsozialarbeit im PARITÄTISCHEN Gesamtverband und Fachberater im PARITÄTISCHEN Landesverband Nordrhein-Westfalen.

Präsentation und Handout:

Präsentation Marzahn (2596 KB)

Handout Schwester Margareta Kühn (8 KB)

Zusammenfassung:

Ergebnisse Arbeitsgruppe 4 (7 KB)

An der Podiumsdiskussion, die von Cornelia Benninghoven (freie Journalistin) moderiert wurde, wirkten Herr Werner Hesse (der PARITÄTISCHE), Herr Dr. Markus Schmitz (BA), Frau Christiane Voß-Gundlach (BMAS) und Frau Dr. Irene Vorholz (Deutscher Landkreistag) mit. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die zersplitterten Angebote für junge Menschen an den Schnittstellen unterschiedlicher Sozialgesetzbücher und verschiedener Akteure. Die Zielsetzung, eine bessere Verschränkung der Systeme zu erreichen, damit die Jugendlichen abgestimmte Hilfen erhalten, wurde von allen PodiumsteilnehmerInnen geteilt. Die Kooperation vor Ort zu gestalten und dabei z.B. auf das positive Beispiel der Jugendberufsagentur Mainz zurückzugreifen, war ein Vorschlag, der auf dem Podium breite Unterstützung fand. Das Votum aus dem Plenum, die Kooperation durch mehr Verbindlichkeit zu befördern, wurde von einzelnen PodiumsteilnehmerInnen hingegen kritisch bewertet. Die komplexen Zuständigkeits- und Finanzierungsfragen seien schwierig zu klären. Zentrale Vorgaben für eine Organisationsform seien der falsche Weg. Außerdem wurde die Rolle der Jugendhilfe für die Förderung junger Menschen diskutiert. Hilfe bei der Lebensbewältigung zu geben, ist und bleibt Aufgabe der Jugendhilfe, so ein unwidersprochenes Statement vom Podium. Mehr Verbindlichkeit für die Angebote der Jugendsozialarbeit müsse es aber geben, so Werner Hesse.

In ihrem Schlusswort benannte Tina Hofmann, Referentin für Jugendsozialarbeit im PARITÄTISCHEN Gesamtverband als zukünftige Herausforderung für die Arbeit des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit: das Engagement für ein kohärentes Fördersystem in der beruflichen Förderung junger Menschen, die Stärkung der Angebote der Jugendsozialarbeit für benachteiligte junge Menschen mit dem Ziel ihre Persönlichkeitsentwicklung und Kompetenzen der Lebensbewältigung zu stärken und die stärkere Ausrichtung der Arbeitsmarktförderung und der Angebote der Jugendsozialarbeit an den Bedürfnissen und Lebenslagen benachteiligter junger Menschen.