Tagungsdokumentation zur Fachtagung „Ausbildungschancen für Jugendliche im SGB II“ am 30.09.2008
Bundesweite Veranstaltung des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit „Ausbildungschancen für Jugendliche im SGB II“ vom 30.09.2008 in Frankfurt am Main - Tagungsdokumentation mit Zusammenfassung und Beiträgen
Rund 1 Mio. junge Menschen werden am Übergang von der Schule in den Beruf von den Arbeitsgemeinschaften und Optionskommunen betreut. Eine passgenaue Vermittlung, die schnelle Integration in Ausbildung und Arbeit und vor allem auch die zielgenaue Förderung für eine Berufsausbildung sollen unter den Bedingungen des SGB II für Jugendliche erreicht werden. Der PARITÄTISCHE Gesamtverband hat genauer hingeschaut und mit einer Studie durch das Deutsche Jugendinstitut untersuchen lassen, ob und wie diese Ziele in der Praxis umgesetzt werden. Mit der Studie „Ausbildungschancen von Jugendlichen im SGB II“ hat das Deutsche Jugendinstitut zahlreiche interessante Antworten und kritische Ergebnisse zur Umsetzungspraxis des SGB II geliefert. Die Verfasserin der Studie, Dr. Heike Förster, präsentierte die Ergebnisse der Studie mit dieser Tagung erstmalig der Fachöffentlichkeit. Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, um die Studienergebnisse zu kommentieren und fachliche Empfehlungen aus Sicht der Jugendsozialarbeit für eine Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung im SGB II zu präsentieren. Erfolgreiche Praxisbeispiele in der Ausbildungsförderung von benachteiligten Jugendlichen sollen weitere Anstöße geben, um die Ausbildungschancen von jungen Menschen verbessern zu helfen.
Die Tagung wurde vom PARITÄTISCHEN Gesamtverband für den Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit veranstaltet.
Tagungsausschreibung (pdf 235kb)
Tina Hofmann, Referentin für Jugendsozialarbeit im Paritätischen Gesamtverband, begrüßte stellvertretend für den Kooperationsverbund JSA die Teilnehmer/innen. Der PARITÄTISCHE ist Auftraggeber der Studie "Ausbildungschancen für Jugendliche im SGB II".
Frau Dr. Heike Förster, Verfasserin der Studie, stellte wesentliche Befunde der Studie vor. Anhand ausgewählter Statistiken und der Befragung von verschiedenen Akteuren an den Standorten von fünf Grundsicherungsträgern untersuchte Frau Förster für das Deutsche Jugendinstitut die Fragestellung, wie die Ausbildungsförderung und Ausbildungsstellenvermittlung unter den Bedingungen des SGB II verläuft.
Präsentation der Ergebnisse der Studie „Ausbildungschancen für Jugendliche im SGB II (1320 KB)
Ausbildungschancen von Jugendlichen im SGB II – Expertise von Heike Förster (469 KB)
Im Anschluss an das Hauptreferat wurden anhand von Best-Practice-Beispielen Perspektiven für die Ausbildungsförderung von Jugendlichen aufgezeigt:
Mit dem Projekt Diana „Assistierte Ausbildung in Baden-Württemberg“ werden innovative Wege begangen, um benachteiligten Jugendlichen zu einer betrieblichen Ausbildung zu verhelfen. Dabei erhalten Betriebe flexible, bedarfsgerechte und umfassende Dienstleistungen in der Ausbildung. Gleichzeitig werden in dem Modellprojekt Teilzeitausbildungen für junge Mütter und Väter realisiert. Es ist in großem Umfang gelungen, junge Frauen in geschlechtsuntypische Berufe zu vermitteln, in geringerem Umfang auch bei jungen Männern. Das Projekt wurde vorgestellt von Ralf Nuglisch, Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Baden-Württemberg.
Projekt diana. Assistierte Ausbildung in Baden-Württemberg (pdf 6.568)
Projekt diana. Assistierte Ausbildung in Baden-Württemberg (pdf 9.636kb)
Im Ausbildungsverbund LiGA in Berlin werden sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche ausgebildet. An der Ausbildung sind das Jobcenter Berlin-Lichtenberg und das Jugendamt Berlin-Lichtenberg konzeptionell und finanziell beteiligt.
Im Rahmen des Projekts werden das Fallmanagement des Job-Centers und das Hilfeplanverfahren des Jugendamtes miteinander verzahnt. Die Tätigkeit des Ausbildungsverbund präsentierten Frau Roßbach, bbw Akademie, Brau Brings, Jugendamt Berlin-Lichtenberg und Frau Schöche, JobCenter Berlin-Lichtenberg.
LiGA Lichtenberger Gemeinschaft für Ausbildung eine erfolgreiche Kooperation (pdf 614kb)
Die ARGE Nürnberg sieht die Ausbildungsvermittlung als Teil ihres „Kerngeschäfts“ an und hat sich deshalb dagegen entschieden, die Arbeitsagentur mit dieser Aufgabe zu betrauen, so Frau Veronika Leicht, Arbeitsvermittlerin in der ARGE. Schnittstellen zur Arbeitsagentur in der Ausbildungsförderung von Jugendlichen verbleiben dennoch. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur kann dabei konstruktiv als Fachdienst genutzt für die ARGE werden. Bei der Umsetzung von Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen besteht die Schwierigkeit, dass kein direkter Kontakt zu den Trägern besteht.
Tina Hofmann, Referentin für Jugendsozialarbeit im PARITÄTISCHEN, präsentierte zentrale Anliegen aus dem Positionspapier „Vorrang für Ausbildung – Positionen des Kooperationsverbundes JSA zu den Ausbildungschancen von Jugendlichen im Rechtskreis SGB II“. Gesetzliche Veränderungen im SGB II und veränderte Zielvorgaben von der Bundesebene sind ebenso nötig, wie eine verbesserte regionale Förderpraxis, so ihr Statement.
„Ausbildungschancen für Jugendliche im SGB II“ (pdf 497kb)
In ihrem Fazit betonte Doris Leymann, Referentin Jugendberufshilfe und Bundeskoordination bei der BAG ÖRT, die Herausforderung, eine Gesamtstrategie für die Förderung benachteiligter Jugendlicher zu entwickeln. Derzeit lasse sich die Benachteiligtenförderung an den Schnittstellen von SGB II, SGB III, VIII und anderen Gesetzen, wie auch zwischen unterschiedlichen Förderprogrammen nur schwierig gestalten. Trotz dieser widrigen Rahmenbedingungen gäbe es aber auch Chancen, gelingende Praxismodelle zu übertragen und verfügbare lokale Handlungsspielräume zu nutzen.
